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Über uns.

Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Das ist einerseits eine provokante Aussage für alle, die ganz selbstverständlich an einen Gott glauben. Andererseits ist es eine rücksichtsvolle Art, auszudrücken, dass die Existenz Gottes durchaus in Zweifel gezogen werden kann. Vor allem dann, wenn man nicht einfach glauben will, was einem vorgebetet wird. Denn eines ist klar, und das geben auch Tiefgläubige zu: Die Existenz Gottes kann wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Kommt dazu, dass mit jeder neuen Erkenntnis der Wissenschaften die Zweifel an der Existenz eines Allmächtigen, eines Jenseits und eines ewigen Lebens nicht kleiner, sondern grösser werden. Religion ist Glaubenssache, je länger, je mehr.

„Probably there’s no god. Now stop worrying and enjoy your life“ war auf Bussen in London und andern englischen Städten als Antwort auf eine Werbekampagne von Jesus Aid zu lesen. Jesus Aid hatte Werbeflächen auf Bussen gemietet, um dort Bibelsprüche und Webadresse anzubringen. Auf der Website wurde dann denen, welche die Botschaft von Jesus nicht annehmen, mit der ewigen Verdammnis in der Hölle gedroht.

„Wahrscheinlich gibt es keinen Gott“ hat mich angesprochen. Weil die Aussage auf gut englische Art mein zwiespältiges Gefühl gegenüber jeder Art von Religion in Worte fasst. Dazu kam, dass ich auf ein Buch des französischen Philosophen André Comte-Sponville stiess; ein befreundeter Buchhändler empfahl es mir. Es trägt den Titel „Woran glaubt ein Atheist?“, erschienen 2008 im Diogenes-Verlag. Es ist klug, humorvoll, einleuchtend  geschrieben und hat mich mich von meinem Glauben an einen Gott befreit, den es wahrscheinlich nicht gibt. Und von meinen Ängsten, mich zu versündigen durch eine aktive, bewusste Abkehr vom „Gott“ meiner Kindheit, meiner Vorfahren und meiner Prägung.

Wie viele Schuldgefühle werden bis heute im Namen Gottes kultiviert? Wie viel Unrecht in seinem Namen nicht nur getan, sondern auch noch gerechtfertigt? Wie viele Unschuldige, Ungläubige, Andersgläubige niedergemetzelt, abgeschlachtet, hingerichtet, zwangsmissioniert, ausgegrenzt, verflucht, verdammt, verteufelt?

Mit jeder Exekution von Nicht- oder Andersgläubigen, mit 9/11, mit den ungezählten Glaubenskriegen, mit der unsäglichen Rehabilitierung eines Holocaustleugners als Bischof durch den Papst, mit religiös motivierter Mädchenbeschneidung, mit der Verfolgung, Verteufelung und Abschlachtung von Homosexuellen und und und ist mir mehr bewusst worden: Wenn das im Namen der Religion und des jeweils „zuständigen“ Gottes geschieht, wo ist denn dieser liebende, mitfühlende Gott und was für ein Gott ist das denn, der solches in seinem Namen zulässt? Und nicht nur was an Schrecklichem im Namen Gottes und im Namen der Religionen geschieht, sondern jeder Amoklauf, jedes Gewaltverbrechen an Unschuldigen, jeden Tsunami, jedes noch so zerstörerische Erdbeben lässt Gott, lassen Allah, Jahwe, Shiva, Thor und wie sie alle heissen nach dem Glauben der Gläubigen zu. Ja mehr noch, sie planen diese Gräueltaten gar. So habe ich’s jedenfalls im Religionsunterricht gelernt. Das tönte dann so: Es geschieht nichts ohne Gottes weisen Ratschluss.

Entschuldigung, aber das ist ein Widerspruch in sich und ein Argument mehr dafür, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen liebenden, verständnisvollen, mitfühlenden Gott gibt.

Abstossend finde ich auch, wie unerbittlich viele Anhänger und Repräsentanten von Religionen auf Zweifler, Abtrünnige, Ungläubige und Kritiker eindreschen, ihnen Teufel, Tod und ewige Hölle prophezeien, egal, ob im Namen Gottes geleitet oder von Drahtziehern verleitet.

Da ist mir diese ehrliche und offene Botschaft viel näher: „Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Hör auf, dich zu sorgen, geniesse das Leben und gestalte es verantwortungsvoll.“

Weil Plakatierungen solcher Aussagen in Tram, Bus und im öffentlichen Raum nicht erlaubt wurden, hatte ich mich im letzten Jahr entschlossen, eine Sammlung von Schlagzeilen als Postkarten-Büchlein zu publizieren. Es kann  auf dieser Site bestellt werden. Wie dieser Blog will es mithelfen, den Weg zu ebnen für eine offene Diskussion, für freie Meinungsäusserung und Toleranz auch in religiösen Dingen, für anregende Auseinandersetzungen und einen religionsunabhängigen Ethikunterricht in Schulen.

Herzlich, Hans Peter Brugger